Riegersburg-Schleife mit Start in Studenzen

Die Pedalritter des DSG erobern die Südoststeiermark.
Diesmal ziehen sie eine Schleife im Kern des Vulkanlands.

Zwischen Bahngleis, Lagerhaus und den ersten sanften Hügeln des Raabtals beginnt diese Runde beinahe unspektakulär. Doch genau darin liegt eine typische Qualität des Steirischen Vulkanlands: Die Landschaft drängt sich nie laut in den Vordergrund. Sie entwickelt ihren Reiz langsam, mit jeder Kurve, jedem Hof und jedem Anstieg ein wenig mehr. Der Morgen in Studenzen-Fladnitz wirkt ruhig und geordnet, die Steirische Ostbahn begleitet die ersten Kilometer wie ein technischer Gegenpol zur weichen Topografie der Region.

Schon kurz nach dem Ortszentrum verändert sich der Rhythmus. Die Strecke zieht hinaus nach Mitterfladnitz, vorbei an kleinen Bächen, einzelnen Gehöften und schmalen Straßen, die sich durch eine Kulturlandschaft legen, die über Jahrhunderte von Landwirtschaft geprägt wurde. Das Vulkanland ist keine alpine Dramatik, sondern eine Landschaft der Übergänge. Obstgärten, Äcker, Weingärten und Waldstücke wechseln sich ständig ab. Gerade dadurch entsteht dieses typische Bild der Südoststeiermark, das auf dem Titelbild so präsent wirkt: weite Sichtlinien über kuppierte Hügel, verstreute Häuser und Straßen, die nie ganz gerade verlaufen.

Hinter Paalsdorf und Reith bei Hartmannsdorf beginnt die Strecke spürbar anzusteigen. Die kleinen Wege zwischen Geissriegl und Bärnbach führen durch eine Gegend, die ihren bäuerlichen Charakter bewahrt hat, gleichzeitig aber längst Teil einer modernen Genussregion geworden ist. Viele Höfe vermarkten heute direkt, produzieren Säfte, Kernöl, Most oder Fleischwaren in Eigenregie und verbinden traditionelle Landwirtschaft mit touristischer Offenheit. Gerade im Vulkanland ist diese Entwicklung besonders sichtbar geworden. Aus vielen kleinen Familienbetrieben entstand in den letzten Jahrzehnten eine Region, die sich bewusst über Qualität und Herkunft definiert.

Je näher man Riegersburg kommt, desto markanter wird die Landschaft. Die vulkanischen Ursprünge der Region treten hier deutlicher hervor. Einzelne Hügel wirken steiler, die Straßen verschlungener. Schließlich taucht die Riegersburg über dem Basaltfelsen auf — nicht plötzlich, sondern wie ein ständig präsenter Orientierungspunkt, der mit jedem Kilometer größer wird. Kaum eine Burg in Österreich beherrscht ihre Umgebung derart eindrucksvoll.

Die Auffahrt beziehungsweise die Umrundung der Burg gehört zu jenen Passagen, die selbst bei häufigen Besuchen nichts von ihrer Wirkung verlieren. Tore, Mauern, alte Wehranlagen und die massiven Hänge darunter erzählen von einer Zeit, in der die Südoststeiermark Grenzraum war. Die Riegersburg galt lange als uneinnehmbar und wurde über Jahrhunderte immer weiter ausgebaut. Heute verbindet sich diese Geschichte mit einer touristischen Infrastruktur, die erstaunlich behutsam in die Umgebung eingebettet wurde. Wanderwege, Klettersteige und kleine Gassen rund um den Burgfelsen schaffen Bewegung, ohne den historischen Charakter zu verdrängen.

Nach den engen Straßen rund um die Burg öffnet sich die Strecke wieder. Hinter Kornberg wird endgültig sichtbar, wie stark das Vulkanland heute auch kulinarisch geprägt ist. Die kurze Visite bei der Schokoladenmanufaktur Zotter bringt genau jene Mischung aus Handwerk, Kreativität und regionaler Eigenständigkeit auf den Punkt, für die die Gegend mittlerweile weit über Österreich hinaus bekannt ist. Zwischen den modernen Gebäuden, den weitläufigen Freiflächen und den ungewöhnlichen Kombinationen aus Landwirtschaft, Erlebniswelt und Produktion entsteht fast der Eindruck eines eigenen kleinen Kosmos. Selbst bei einem kurzen Halt merkt man schnell, dass hier nicht nur Schokolade produziert wird, sondern ein gesamtes Konzept regionaler Wertschöpfung inszeniert wird.

Die Route bleibt danach abwechslungsreich. Hinter Auersbach wird die Landschaft wieder ruhiger. Orte wie Auenberg oder Zartlerberg liegen verstreut zwischen Obstgärten, Feldern und einzelnen Waldstücken. Viele Straßen verlaufen auf Geländerücken, wodurch sich immer wieder weite Ausblicke ergeben. Genau diese offenen Höhenzüge verleihen der Gegend ihren charakteristischen Rhythmus. Man fährt selten lange geradeaus, sondern bewegt sich ständig zwischen kurzen Anstiegen, Abfahrten und neuen Perspektiven.

Mit Eggreith folgt ein weiterer Höhepunkt der Runde. Die Vulcano Schinkenmanufaktur steht beispielhaft für die wirtschaftliche Entwicklung des Vulkanlands in den vergangenen Jahrzehnten. Aus einer ursprünglich landwirtschaftlich geprägten Region entstand schrittweise eine Marke, die heute stark mit Genuss, Qualität und Regionalität verbunden wird. Der Halt dort wirkt fast wie eine Fortsetzung der Landschaft mit anderen Mitteln: Holz, Glas, moderne Architektur und der Duft gereifter Produkte treffen auf sanfte Hügel und bäuerliche Umgebung. Gerade diese Verbindung von traditioneller Produktion und zeitgemäßer Präsentation prägt viele Betriebe der Region.

Hinter Wieden und Wetzelsdorf wird die Strecke wieder stiller. Kleine Bäche begleiten die Straßen, Kapellen stehen an Wegkreuzungen, einzelne Höfe liegen weit verstreut auf den Hügeln. Die Fahrt durch den Bereich rund um die Meissl-Teiche und den Hofwald bringt nochmals eine ruhigere, beinahe zurückgezogene Seite des Vulkanlands hervor. Weniger touristisch inszeniert, dafür landschaftlich sehr geschlossen.

Über Gniebingberg und Paurach führt die Schleife schließlich zurück Richtung Raabtal. Die Steirische Ostbahn taucht wieder auf, Industrie- und Gewerbebauten mischen sich unter die letzten Kilometer. Gerade dieser Kontrast macht die Runde interessant: Zwischen Manufakturen, bäuerlichen Strukturen, historischen Orten und moderner Infrastruktur bleibt das Vulkanland ständig in Bewegung, ohne seine Eigenart zu verlieren.

Zurück in Studenzen endet die Tour dort, wo sie begonnen hat — zwischen Bahnlinie, Straßen und den ersten Hügeln. Doch inzwischen hat sich das Bild der Region verdichtet. Die Schleife durch das Kerngebiet des Vulkanlands zeigt nicht nur eine landschaftlich reizvolle Gegend, sondern auch eine Region, die ihre Identität bewusst gestaltet: mit Kulinarik, Handwerk, Geschichte und einer Kulturlandschaft, die trotz aller Entwicklung ihren ruhigen Charakter bewahrt hat.

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