
Die Landschaft wirkt hier weit und offen, geprägt von Feldern, Wasserläufen und verstreuten Gehöften. Der Sile begleitet den Startabschnitt als ruhiger, breiter Fluss. Die Route bleibt über weite Strecken eben, ideal zum Einrollen, und führt durch eine Abfolge kleiner Ortschaften, die das typische Bild des venetischen Tieflands vermitteln.
Kurz nach dem Start bleibt die historische Villa Gabbianelli seitlich liegen – ein Hinweis darauf, wie dicht die Region mit Landsitzen des venezianischen Adels durchzogen ist. Die Strecke führt weiter nach Casale sul Sile, einer lebendigen Gemeinde, deren Zentrum knapp abseits der Route liegt. Ein Kriegerdenkmal erinnert an die bewegte Geschichte des 20. Jahrhunderts, wie es in vielen Orten der Ebene zu finden ist.
Über Preganziol und Sambughè geht es weiter durch eine ruhige Abfolge von Wohngebieten, Feldern und kleinen Gewerbezonen. Die Orte liegen meist etwas abseits, werden aber als Orientierungspunkte spürbar, wenn sich die Bebauung verdichtet oder ein Platz kurz aufblitzt. Bei Case Andretta quert die Route einen typischen Weiler, bevor sie nach Zero Branco und Sant’Alberto führt – zwei Gemeinden, die das Bild des ländlichen Venetien mit ihren langen, geraden Straßen und verstreuten Höfen gut widerspiegeln.
Bei Kilometer 29 öffnet sich die Landschaft zu den Cave di Carlesso, einem Feuchtgebiet, das sich aus ehemaligen Kiesgruben entwickelt hat. Die Route streift es nur am Rand, doch die Vegetation und das kühlere Mikroklima sind spürbar. Nicht weit entfernt verläuft die Trasse der ehemaligen Bahnlinie Ostiglia–Treviso – ein Relikt der Infrastrukturgeschichte, das heute teilweise als Radweg genutzt wird und zeigt, wie stark Venetien von Verkehrsachsen geprägt wurde.
Ein weiterer Hinweis auf die adelige Vergangenheit der Region folgt mit der seitlich gelegenen Villa Marcello, bevor die Strecke durch Levada und später Torreselle führt. Die Orte markieren den Übergang in ein Gebiet, das stärker von Quellenlandschaften und kleinen Wäldern geprägt ist.
Rund um Kilometer 40 erreicht die Route eine der ökologisch interessantesten Zonen des Tages: das Gebiet von Girasile, den Fontanassi del Sile und dem Gran Bosco dei Fontanassi. Hier tritt der Sile aus zahlreichen Karstquellen an die Oberfläche. Das Wasser wirkt ungewöhnlich klar, und die Vegetation zeigt eine Mischung aus Auwald, Feuchtwiesen und dichtem Unterholz. Die Strecke führt nicht direkt hinein, doch die Nähe ist spürbar – ein kühler Luftzug, der Geruch von feuchtem Boden, das leise Rauschen der Quellen.
Über San Marco di Resana, Castelminio und Campigo verläuft die Route weiterhin flach, begleitet von Feldern und vereinzelten Baumreihen. Ein Wasserrückhaltebecken bei Salvarosa zeigt, wie intensiv die Region wasserwirtschaftlich reguliert wird – ein wichtiges Thema in Venetien, das regelmäßig mit Starkregenereignissen konfrontiert ist.
Kurz vor Castelfranco taucht eine historische Dampflokomotive, die Locomotiva 625.091, als technisches Denkmal auf. Sie erinnert an die Bedeutung der Eisenbahn für die Entwicklung der Region im 20. Jahrhundert.
Die Stadt selbst bleibt zunächst seitlich, doch die Route führt nahe an den Mura di Castelfranco Veneto vorbei – einer kompakten, gut erhaltenen Stadtmauer, die das historische Zentrum umschließt. Castelfranco ist eng mit dem Maler Giorgione verbunden, dessen Spuren – Casa Giorgione, Pala del Giorgione, Statua del Giorgione – im Stadtkern präsent sind, auch wenn die Route sie nur streift.
Hinter Castelfranco führt der Weg durch Poisolo und vorbei an der eleganten Villa Corner – Venezze. Die Landschaft wird wieder ruhiger, mit kleinen Waldstücken wie Le Motte und verstreuten Weilern wie Campagnalta.
In Galliera Veneta liegen mehrere markante Einzelbäume – Zedern, Buchen, Photinia – als Naturdenkmäler in den Parkanlagen rund um die Villa Imperiale. Sie stehen sinnbildlich für die botanische Vielfalt, die viele Villenlandschaften der Region prägt.
Ein letzter kultureller Akzent folgt mit dem Turm Torre Mejaniga, bevor sich die Silhouette von Cittadella abzeichnet.
Die Etappe endet in Cittadella, einer Stadt, die durch ihren vollständig begehbaren Mauerring einzigartig in Venetien ist. Die Route führt nahe an mehreren Toren vorbei – Porta Bassano, Porta Padova, Porta Treviso, Porta Vicenza – und streift Orte wie das Palazzo Pretorio, das Museo Civico Archeologico Torre di Malta und den monumentalen cipresso delle paludi.
Cittadella dient als Stützpunkt der gesamten Tour – ein idealer Ort, um die kommenden Tage in Richtung Vicenza, Marostica, Bassano und entlang der Brenta zu starten.
