Frühlingserwachen nach der langen Winterpause
Das Rad sollte wieder in Bewegung kommen......

Schon wenige Kilometer nach dem Start taucht man in jene stille, flussgeprägte Landschaft ein, die die Grenzregion zwischen Österreich und Slowenien so unverwechselbar macht. Auf dem Abschnitt entlang von Fluttendorf bleibt der Blick ganz bei der Natur: Der Murradweg führt durch die dichten Auen der Mur, wo hohe Bäume, verschlungene Altarme und das gedämpfte Licht unter dem Blätterdach den Rhythmus vorgeben. Die nahegelegenen Ortschaften bleiben dabei weitgehend verborgen – der Radweg wirkt hier wie ein eigener, ruhiger Korridor entlang des Flusses.
Mit der Überquerung der Mur über die Steirerbrücke verändert sich die Perspektive beinahe unmerklich. Der Fluss, eben noch Begleiter, wird zur verbindenden Linie zwischen zwei Ländern. Jenseits davon liegt Črnci. Die Namen wechseln, Details der Bauweise ebenso, doch die Landschaft bleibt in ihrem Wesen erhalten. Sanfte Hügel treten nun stärker hervor – ein erster Vorgeschmack auf die sogenannten Windischen Bühel, jene weinbaulich geprägte Hügellandschaft, die sich beiderseits der Grenze erstreckt und auf slowenischer Seite als Slovenske gorice weitergeführt wird.
Ein kultureller Akzent zeigt sich bei einer traditionellen Hofanlage, die als „Grafonževa domačija“ bezeichnet wird. Unabhängig von ihrer genauen historischen Zuordnung steht sie exemplarisch für die bäuerliche Baukultur dieser Region. Solche Gehöfte sind oft über Generationen gewachsen und spiegeln die Lebensweise vergangener Zeiten wider – funktional angelegt, mit einer Mischung aus Holz- und Massivbauweise und eingebettet in die umgebende Kulturlandschaft.
Die Route führt weiter durch die verstreuten Siedlungen rund um Jurovski Dol, deren kleine Ortsteile wie Krempl oder Ketiš immer wieder ins Blickfeld rücken und uns teils längere Zeit begleiten. Hier wird der Charakter der Windischen Bühel besonders spürbar: eine offene, leicht gewellte Landschaft, in der sich Felder, Wiesen und vereinzelt auch Weingärten abwechseln. Mit Ritiže und Jakobski Dol verdichtet sich dieser Eindruck eines ländlichen Raums, der ruhig wirkt, aber eine lange gewachsene Kulturlandschaft darstellt.
Ein landschaftlicher Orientierungspunkt ist Babina. Die Erhebung fügt sich unspektakulär in das Relief ein und macht gerade dadurch verständlich, wie sehr diese Region von sanften Übergängen lebt – nichts ist abrupt, alles scheint ineinander überzugehen.
Mit Vranji Vrh kündigt sich die Rückrichtung an. Kurz darauf stehen wir direkt bei Murski Dvor, wo die Nähe zur Mur wieder spürbar wird. Der Fluss war über Jahrhunderte hinweg nicht nur Grenze, sondern auch Lebensader, Handelsweg und verbindendes Element – eine Rolle, die er bis heute in der Wahrnehmung dieser Region spielt.
Zurück auf österreichischer Seite führt die Route erneut in den Einflussbereich der Murauen. Über Dornhof und Prillinghof begleitet der Fluss die Fahrt wieder indirekt – mal hörbar, mal nur als landschaftliche Linie im Hintergrund präsent. Auch Oberrakitsch fügt sich in dieses ruhige Gefüge aus kleinen Dörfern und landwirtschaftlich geprägten Flächen ein.
Die Tour endet schließlich in Gosdorf, wo sich die Eindrücke bündeln. Es ist vor allem die Mur, die dieser Runde ihren inneren Zusammenhang gibt – als landschaftliches Rückgrat, als historische Grenze und als verbindendes Element zugleich. In ihrem Wechselspiel mit den sanften Hügeln der Windischen Bühel entsteht eine Tour, die weniger von spektakulären Höhepunkten lebt als von ihrer stillen, zusammenhängenden Erzählung.
